BUNDjugend Hessen  

Wettbewerb Naturtagebuch

Natur beobachten das ganze Jahr

Es gibt immer was in der Natur zu entdecken. Natürlich bietet es sich besonders im Frühling an, raus zu gehen und zu schauen, was sich verändert. Frühblüher treiben ihre zarten Blüten aus dem Boden, die Vögel fangen an zu singen. Viele von ihnen kommen nach und nach aus dem Süden zu uns zurück. Die Obstbäume blühen und locken Insekten an, alle Bäume legen sich nach und nach ein grünes Kleid zu.

Wir geben eine Reihe von Tipps, wie das Beobachten in der Natur richtig Spaß machen kann.

Beobachtungstipp August – Es ist Beerenzeit!

Für die Vögel ist der Tisch jetzt reichlich gedeckt. Immer mehr Beeren reifen und werden von ihnen gerne gefressen. Nachdem die Stare bereits Anfang Juli über die Kirschen hergefallen sind, reifen nun Vogelbeere, Schneeball, Holunder und viele andere Beeren.

Sie liefern Kohlenhydrate und viele Mineralien und Vitamine, eine willkommene Stärkung für den bevorstehenden Herbst und Winter. Nicht nur Stare, auch Amseln und Wachholderdrosseln bedienen sich gerne an den Früchten.

Auch für uns sind einige Beeren genießbar: Brombeeren können wir direkt vom Strauch naschen. Andere Beeren können wir verarbeiten, z.B. die vom schwarzen Holunder. Aus ihnen kann man Saft machen, der so getrunken oder zu Gelee oder Suppe weiter verarbeitet werden kann.  Denn Holunderbeeren soll man nicht roh verzehren, sondern nur den ausgekochten Saft genießen. Rezepte für die Verarbeitung von Holunderblüten und -beeren findest Du unter: https://www.bundjugendhessen.de/mitmachen/aktions-tipps/

Brombeeren

Andere Beeren sind aber sehr giftig , z.B. das Pfaffenhütchen, das leicht an seinen pupurnen Hüllblättern um die orangen Beeren zu erkennen ist.

Auf jeden Fall sind Beerensträucher nicht nur eine optische Bereicherung in den Parks, sondern mit den Blüten und Beeren eine wichtige Nahrungsquelle für viele Tiere. In der offenen Landschaft dienen sie als Abschluss von Waldrändern oder als Hecken wichtige Strukturen für Unterschlupf und Wanderung für viele Tiere. Vögel nisten hier gerne im dichten Gestrüpp und finden jetzt im Spätsommer reichlich Nahrung.

Schau mal, was die Amseln gerade fressen, wenn sie nicht auf dem Rasen nach fetten Regenwürmern Ausschau halten. Auch die Kleckse, die Vögel auf Gehwegen oder Autos hinterlassen, zeigen durch ihre intensive Färbung, dass die Vögel auf Beerenjagd sind.

Beobachtungstipp Juli – Da sind die Federn los!

Jetzt im Sommer kannst du viele Federn finden – große und kleine – einfarbige, gemusterte und richtig bunte. Es gibt stabile Schwungfedern und zarte Daunen, je nachdem, wofür die Federn gebraucht werden. Also schau mal, was du finden kannst! Vielleicht magst du ja eine Federsammlung anlegen.

Doch warum ist das so und was hat es mit den verschiedenen Größen, Formen und Farben auf sich?

Flugfedern und Daunen

Nach dem anstrengenden Brutgeschäft und wenn die Jungen selbstständig für sich sorgen können, mausern viele Vögel. Darunter versteht man den Wechsel des Federkleides. Die alten Federn sind abgenutzt und verschlissen. Es müssen neue gebildet werden, um für die kommende Zeit und den Winter gerüstet zu sein. Das kostet viel Kraft. Ein Grund, warum es auch mit dem Gesang im Hochsommer nachlässt.

Die Vögel verlieren meist nicht alle Federn auf einmal, das wäre sehr unpraktisch, denn sie wären wie nackt und könnten nicht fliegen. Statt dessen werden nach und nach die alten Federn ersetzt. Es gibt aber auch Vogelarten, die die Mauser schnell vollziehen und dann einige Zeit flugunfähig sind, wie zum Beispiel der Wachtelkönig, ein seltener Wiesenbrüter.

Federn haben mehrere wichtige Funktionen: Sie halten warm und schützen vor Regen oder Wasser, z.B. bei Enten und anderen Wasservögeln. Ausnahme ist hier der Kormoran, der nach der Jagd im Wasser sein Federkleid trocknen lassen muss. Dann sieht man ihn mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Baum sitzen. Die anderen Vögel fetten ihre Federn mit einem Fett aus der an der Schwanzwurzel gelegenen Bürzeldrüse ein. Das kann man bei Enten gut beobachten, wie sie mit dem Schnabel über ihr Hinterende streichen und das Fett verteilen.

Und natürlich können Vögel mit Hilfe der Federn fliegen. Sie schaffen eine große Tragfläche an den Flügeln. Dabei sind sie leicht und trotzdem stark. Denn jede Feder besteht aus feinen Ästchen, die mit kleinen Widerhaken ineinandergreifen, so dass sie zusammen eine große Fläche bilden.

große und kleine Federn – einfarbige und bunte

Doch Federn können noch mehr, denn je nach Musterung dienen sie der Tarnung oder der Brautschau. Während die Weibchen häufig die Tarnfarben tragen, sind die Männchen bunt gemustert, um so die Aufmerksamkeit bei der Balz auf sich zu lenken, meist in Kombination mit Balzritualen. Ein schönes Beispiel für ein prächtiges Federkleid ist der Pfau. Aber auch die heimische Vogelwelt ist bunt: Schau dir mal genau eine Blaumeise oder einen Stieglitz an!

Beobachtungstipp Juni – Ich glaub, es piept!

Bereits im Mai sitzen die ersten Meisenjungen im Gebüsch und werden von ihren Eltern gefüttert. Auch im Juni kann man überall beobachten, wie die Tierkinder von ihren Eltern gefüttert und bewacht werden:
Auf dem Teich in der Stadt sieht man Enten ihre Küken führen, so zum Beispiel die unscheinbar braun gefärbten Stockenten-Weibchen. Die Küken sind Nestflüchter, d.h. bereits kurz nach dem Schlupf zieht es sie in die weite Welt – unter Aufsicht der Mutter. Diese führt eine ganze Reihe Küken im Wasser hinter sich her, immer auf Abstand zu möglichen Gefahren bedacht. Die Jungen beginnen sofort, nach Essbarem zu suchen. Dabei sind sie nicht wählerisch; Pflanzen und Kleintiere gehören zum Speiseplan.

Andere Vogeljunge werden dagegen nackt und blind geboren und werden zunächst 1-3 Wochen im Nest gefüttert, bis sie ein erstes Federkleid ausgebildet haben und Flugversuche unternehmen. Sie werden vom Nestling zum Ästling. Dann ziehen z.B. die Meisen-Familien im Gebüsch umher auf der Suche nach Blattlauskolonien. Zunächst werden die jungen Meisen noch gefüttert, lernen aber schnell sich selbst zu versorgen. Oft wirken die Jungtiere pummelig im Vergleich zu ihren Eltern, die eher abgemagert und zerzaust vom Stress der Brutpflege sind.

Ab Juni kann man Stare auf der Wiese beobachten, die ihre Jungen füttern. Diese haben noch ein schlicht blass-braunes Federkleid im Gegensatz zu ihren Eltern, die ein schwarzes, grün-violett glänzendes Federkleid tragen.

Allen Vogelkindern ist gemeinsam, dass sie versuchen mit Piepen und Zwitschern die Eltern auf sich aufmerksam zu machen, um noch eine Portion Futter zu erhaschen.

Vogelkind gefunden?  – Was tun?

In den allermeisten Fällen handelt es bei Vogeljungen, die außerhalb des Nestes gefunden werden um Ästlinge. Sie haben bereits ein vollständig ausgebildetes Gefieder und höchstens Daunenreste. Sie wirken ein bisschen unbeholfen, denn sie müssen ihre Flugmuskulatur und Koordination noch trainieren. Sie werden von ihren Eltern weiterhin versorgt und brauchen unsere Hilfe nicht.

junge Kohlmeise, Ästling

Nestlinge dagegen habe keine Federn oder Daunengefieder und gehören zurück ins Nest! Sie dürfen entgegen landläufiger Meinung mit den Händen angefasst werden und werden von den Eltern wieder angenommen.

Ausnahmen sind junge Nestflüchter wie Enten, Gänse oder Schwäne, die immer in der Nähe ihrer Eltern seien sollten, und junge, flugunfähige Mauersegler, die aus dem Nest gefallen sind. Findet man diese Vogeljungen, so sollte man sie zu einer Wildvogelauffangstation oder einem Tierarzt bringen. (Informationen von: https://www.vogelmedizin-giessen.de/)

In Frankfurt gibt es die Mauersegler-Initiative, die sich für den Erhalt und die Schaffung von Nistmöglichkeiten einsetzt – hier findet man auch den Kontakt zur Mauersegler-Klinik in Frankfurt:

Beobachtungstipp Mai – Rückkehrer aus dem Süden – Mauersegler und Kuckuck

Ende April/Anfang Mai kommen immer noch einige gefiederte Sommergäste zu uns zurück. So etwa der Mauersegler.  Er verbringt die meiste Zeit seines Lebens in der Luft auf der Jagd nach Insekten, aber auch zum Schlafen. Doch für die Brut muss er auf festen Grund – das jedoch möglichst in großer Höhe, damit er einen guten Start hat, wenn er sich aus der Bruthöhle schwingt. Er brütet gerne im Bereich der Dachtraufe, in Mauerritzen und leeren Rollädenkästen oder in zugänglichen Dachstühlen. Genau dieser Umstand macht ihm das Leben schwer, denn viele Häuser werden renoviert oder energetisch saniert, und dabei werden diese Lücken dicht gemacht. Abhilfe schafft z.B. die Mauersegler-Initiative Frankfurt. In Gießen ist ist man bei der Vogelklinik und dem Verein zur Förderung der Vogelmedizin an der richtigen Adresse.

Horch mal, ob du das schrille „Srii-srii“ der Mauersegler in den Städten schon hören kannst.

Mauersegler im Flug

Etwas ländlicher oder in großen Parkanlagen ist jetzt der Kuckuck zu vernehmen. Er ruft seinen Namen „Kuckuck“ und ist von daher leicht zu erkennen. Sein Ruf gilt als Frühlingssymbol.

Zu Gesicht bekommt man den Kuckuck eher selten. Es ist ein etwa taubengroßer Vogel mit spitzen Flügeln und langem Schwanz. Oberseite und Kopf sind meist grau, seltener braun, die Brust hell mit feinen, dunklen Querbändern. Im Flug kann man ihn für einen Sperber halten.

Die Weibchen besetzen große Reviere, in denen sie nach Nestern anderer insektenfressender Vögel Ausschau halten, um dort ihr Ei rein zu schmuggeln. Dabei sind sie jeweils auf eine ganz bestimmte Vogelart spezialisiert, etwa Bachstelzen, Teichrohrsänger, Baumpieper oder Rotkehlchen. Dies nennt man Brutparasitismus.

Doch hat der Kuckuck eine wichtige Funktion im Ökosystem. Er frisst nämlich gerne haarige Raupen, so z.B. die Raupen der von uns nicht gern gesehenen Eichenprozessionsspinner.

Kuckuck mit behaarter Raupe

Beobachtungstipp April – Froschkonzert

Wenn es im Frühjahr des nachts um die 5° Celsius warm ist, am besten bei leichtem Nieselregen, beginnen die Amphibien ihre Wanderungen zu den Laichgewässern. Jetzt müssen Krötenzäune entlang von Straßen jeden Tag kontrolliert werden. Dafür braucht es viele Helfer*innen und du kannst bei einer Naturschutzgruppe vor Ort aktiv werden und mithelfen, z.B. beim BUND.

An Stillgewässern wie Tümpeln, Teichen und Seen mit flachen, z.T. schilfbestandenen Uferzonen kannst du besonders abends ein richtiges Konzert der Frösche und Kröten hören. Kommst du näher, gibt es überall ein lautes Platschen und die Frösche sind für einen Moment still. Doch bald hebt das Konzert wieder an.

Am Rande der Stillgewässer findest du jetzt auch den Laich der Amphibien. Je nachdem, um welche Art es sich handelt, sind es kleine, gallertige Ei-Pakete oder lange Ei-Schnüre, kunstvoll um Wasserpflanzen gewickelt. Wenn die Sonne das Wasser erwärmt, schlüpfen die Kaulquappen. Über eine gewisse Zeit kannst du das Wachsen und die Veränderungen der Kaulquappen beobachten.

Nicht nur am Laich und den Kaulquappen kann man die Arten unterscheiden, auch die Rufe sind unterschiedlich. Hier kannst du dir eine Aufnahme vom Grasfrosch anhören:

Beobachtungstipp März – Die Natur im Jahresverlauf

Das Jahr schreitet voran, der Frühling beginnt, immer mehr Vögel kommen aus dem Süden zurück, und immer mehr Pflanzen blühen. Das tun sie nach einer festen Reihenfolge. So sehen wir schon früh die Schneeglöckchen, während die Rosen ab Juni und der Efeu im Oktober blüht. Das hängt von Temperatur und Tageslänge ab, und so kann im Jahresverlauf der Blühbeginn charakteristischer Pflanzen für die Einteilung des Jahres in Jahreszeiten genutzt werden. Die Forsythienblüte (https://www.dwd.de/DE/leistungen/phaeno_akt/phaenoakt.html) zeigt den Frühlingsbeginn (Erstfrühling) an, Anfang Mai beginnt mit der Blüte des schwarzen Holunders der Frühsommer.

Forsythienstrauch

Natürlich ist der Blühbeginn von der Region und dem Klima abhängig. Während am Bodensee schon alles blüht, zieht der Frühling in Kiel erst 3 Wochen später ein. Doch auch der Klimawandel hinterlässt Spuren bzw. kann anhand dieses Blühkalenders nachgewiesen werden. So blüht die Hasel immer früher im Jahr, oft schon im Januar, und sehr zum Leidwesen der Pollenallergiker*innen. Und auch das Ende der Haselblüte verschiebt sich nach hinten. Die Bäume, z.B. die Stieleiche, werfen später im Jahr ihre Blätter ab. Damit verlängert sich die Vegetationsperiode, d.h. die Zeit in der Pflanzen aktiv sind und CO2 aus der Luft binden. Das hat aber auch Nachteile, weil die Winterruhe verkürzt wird oder wegfällt und viele Schädlinge so überleben können.
Dies alles wird von vielen ehrenamtlichen Helfer*innen für den Deutschen Wetterdienst zusammengetragen und ist dort nachzuschauen: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=101996&lv3=102054

Auch du kannst in deiner Umgebung beim Spaziergang den Blühbeginn der Leitpflanzen beobachten und zusammenstellen. Stimmen deine Aufzeichnungen mit den Beobachtungen des Wetterdienstes überein? Welche anderen Pflanzen blühen gleichzeitig? Wie ist das Wetter, d.h. Temperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer? Und sicher stellen sich noch viel mehr Fragen, denen du nachgehen kannst. Deine Ergebnisse und Forschungsaufzeichnungen kannst du besonders gut in einem Naturtagebuch festhalten. Fang doch gleich mit einem an!