BUNDjugend Hessen  

Wettbewerb Naturtagebuch

Beobachtungstipps 2022 – Bäume

Es gibt immer was in der Natur zu entdecken. Natürlich bietet es sich besonders im Frühling an, raus zu gehen und zu schauen, was sich verändert. Frühblüher treiben ihre zarten Blüten aus dem Boden, die Vögel fangen an zu singen. Viele von ihnen kommen nach und nach aus dem Süden zu uns zurück. Die Obstbäume blühen und locken Insekten an, alle Bäume legen sich nach und nach ein grünes Kleid zu.

Beobachtungstipp Juni – Das große Fressen

Auch wenn die Zeit der Maikäfer vorbei ist, leben doch weiterhin viele Tiere, insbesondere Insekten, auf und von der Eiche. So kann man etwa Fraßspuren am Blatt oder feine Linien oder kleine kugelige Gebilde auf dem Blatt erkennen.

Denn eine Vielzahl von Insekten nutzen die Blätter: Raupen von Schmetterlingen, Käfer, Wanzen, Blattläuse, Miniermotten oder Gallwespen. Viele tragen sogar den Namen „Eiche“ am Anfang ihres Artnamens, da sie spezifisch an Eichen angepasst sind.

Galle an Eiche. Foto: Sabine Wolters

Etwa 400 Schmetterlingsarten und 50 Käferarten, dazu noch einige Borken- und Kernholzkäfer, leben auf der Eiche. Besonders eindrucksvoll sind natürlich die Hirschkäfer und Nashornkäfer, deren Larven mehrere Jahre im mürben Wurzelholz von toten oder absterbenden Eichen leben, bevor der fertige Käfer schlüpft. Das bedeutet: diese imposanten Käfer gibt es auch nur dort, wo es große und alte Eichen gibt, die nicht alle gefällt wurden sondern einem natürlichen Ende entgegen gehen können.

Den Hirschkäfer kann man zwischen Mai und August besonders gegen Abend fliegen sehen. Er ernährt sich von Baumsäften, die aus kleinen Wunden am Baum austreten.

Hirschkäfer-Männchen. Foto: Herwig Winter

Vorsicht beim Eichenprozessionsspinner!

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners heißen so, weil sie im Gänsemarsch, eine hinter der anderen, auf der nächtlichen Futtersuche zu neuen Futterplätzen auf dem Baum ziehen. Die kleinen Raupen sind von einem dichten Haarkleid umgeben, das sich leicht ablöst. Diese Haare können Reizungen der Haut und der Atemwege und allergische Reaktionen hervorrufen. Deshalb sollte man diese Raupen nicht anfassen. Die Raupennester sind im Frühjahr/Frühsommer an Eichenstämmen am Waldrand oder auf solitären Eichen zu finden. In städtischen Parks werden die Bäume deshalb von Fachleuten mit Neem besprüht, um die Raupen abzutöten.


Beobachtungstipp Mai – Die Maikäfer sind los!

Jetzt ist die Zeit, wo die fertigen Insekten schlüpfen und ihre Lieblingsspeise anfliegen, nämlich das frische Grün der Bäume. Auch die Eichen gehören zur Leibspeise der Maikäfer. Treten die Maikäfer in Massen auf, können sie ganze Bäume kahl fressen. Wenn die Bäume vital sind, können sie den Kahlfraß verkraften. Sie treiben dann im Juni neu aus – das ist der sogenannte Johannistrieb. Sind sie aber gestresst, zum Beispiel durch Wassermangel aufgrund des Klimawandels, fällt es ihnen schwer sich zu regenerieren, und sie können vorzeitig absterben. Auf jeden Fall können sie in diesem Jahr nicht so viel Holz produzieren, d.h. der Jahresring ist dann ein bisschen dünner.

Die Maikäfer sind etwa 2,5 cm groß und haben schokoladenbraune Flügeldecken. Die Hinterleibsspitze und das Halsschild sind schwarz. Auffällig sind die am Ende aufgefächerten Fühler.
(Foto: Peter Abt)

Nahe Verwandte sind der Rosenkäfer und der Junikäfer. Der Rosenkäfer (im Bild der Marmorierte Rosenkäfer) ist fast so groß wie der Maikäfer und metallisch glänzend grün. Der Junikäfer fliegt ein bisschen später als der Maikäfer, ist etwas kleiner, mit ebenfalls braunen Flügeldecken. Er hat aber ein grünes Halsschild.

Alle diese Käfer entwickeln sich aus dicken weißen Larven, den Engerlingen, die im Boden oder im Komposthaufen leben, Sie fressen Wurzeln – die Engerlinge des Maikäfers besonders gerne die vom Löwenzahn. Wenn sie nach 4 Jahren im Boden dick und fett geworden sind, können sie sich zum Käfer verpuppen. Deshalb treten Maikäfer etwa alle 4 Jahren oft massenhaft auf, in anderen Jahren dagegen gar nicht. 2022 scheint ein echtes Maikäferjahr zu werden – in Südhessen sind schon viele gesehen worden. In der Dämmerung schlüpfen die fertigen Käfer aus dem Boden und starten in Massen ihren ersten Flug zu den Bäumen.

Vielleicht siehst auch du einen Maikäfer! Dann schick uns ein Bild!

Beobachtungstipp April – Das Blühen der Bäume

Bereits früh im Jahr fangen einige Bäume und Sträucher an zu blühen. Nicht immer sind die Blüten besonders auffällig. Besonders die Blüten, die vom Wind bestäubt werden, wie bei Hasel oder Birke, sind eher unscheinbar. Gerade diese Blüten bereiten vielen Allergiker*innen mit ihren Pollen Probleme.

Doch es gibt auch die Bäume, die auf die Bestäubung von Insekten angewiesen sind und ihnen dafür Pollen und Nektar spenden. Wichtige Nektar- und Pollenquellen für (Wild-)Bienen sind früh im Jahr die Weiden.

Besonders gerne wird die Salweide besucht, aber es gibt viele andere Weidenarten. Auch ihre Blüten – die Weidenkätzchen – sind eher unscheinbar. Es folgen im weiteren Jahresverlauf viele andere Bäume mit herrlicher Blütenpracht – so zum Beispiel unsere Obstbäume wie Kirsche und Apfel.

Apfelbaum in Blüte

Die Eichen – unser Jahresthema – blühen dagegen eher unscheinbar und etwa zur gleichen Zeit wie die Eschen. Deshalb gibt es einen Spruch, der helfen soll, das Wetter vorherzusagen:

Blüht die Eiche vor der Esche
gibt`s im Sommer große Wäsche
Blüht die Esche vor der Eiche
gibt`s im Sommer große Bleiche

Nicht immer treffen diese Bauernregeln zu, aber du kannst ja mal schauen, wie es sich in diesem Jahr verhält. Welche Baumart siehst du zuerst blühen? Und wird der Sommer verregnet oder schön und (zu) trocken?

Kennst du Eiche und Esche? Hier geht es zu den Baumportraits:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Esche

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/die-esche-fraxinus-excelsior

https://de.wikipedia.org/wiki/Eichen