BUNDjugend Hessen  

Lesefutter für dich!

Lesefutter für den Sommer

Passend zu unserm Schwerpunktthema des Eine-Erde-Camps 2022 „Geld und/oder Glück? – wie wollen wir leben?“ stellen wir euch einige Bücher vor, die sich mit dem bestehenden Wirtschaftssystem und möglichen Alternativen beschäftigen.

Ulrich Brand & Markus Wissen: Imperiale Lebensweise – Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im Globalen Kapitalismus

Bereits 2007 erschienen – aber bis 2016 überarbeitet und ergänzt – ist eine präzise Analyse von Brand und Wissen, wie die imperiale Lebensweise der Menschen in den Industriestaaten, aber auch der Mittelschichten der Schwellenländer die Ausbeutung der Ressourcen, die Zerstörung der Umwelt und die Übernutzung der Senken – d.h. der Systeme, die die Abfälle dieser Lebensweise aufnehmen – befördert. Dabei zeigen sie die Kontinuität vom Kolonialismus bis zum heutigen, globalisierten Kapitalismus auf, der auf Extraktion von Ressourcen und Externalisierung der Folgen beruht. Daran sind Produzenten wie Konsumenten beteiligt, auch wenn letztere quasi Komplizen des Systems sind, indem sie partiell an den vermeintlichen Vorteilen – den manigfaltigen Konsummöglichkeiten – partizipieren können.

Die Autoren zeigen das Zusammenspiel von Produktions- und Konsumnormen beispielhaft an der Autoindustrie in Deutschland auf. Dieses führt dazu, dass auf erkannte Widersprüche immer mit „Mehr des Selben“ reagiert wird und so das individuelle Mobilitätsverhalten zur Verschärfung der ökologischen Krise beiträgt.

Dieser Prozess der Durchdringung immer weitere Lebensbereiche von dem Prinzipien der imperialen Lebensweise lässt sich bei allen zeitlichen Versetzungen und Unterschieden auch in den (ehemaligen) Schwellenländern wie China, Indien oder den Staaten von Lateinamerika feststellen. Sie treten damit mit den Industriestaaten des Nordens in Konkurrenz um den immer kleiner werdenden Planeten, d.h. um die immer geringer werdenden Spielräume zur Externalisierung.

Im letzten Kapitel werden die Perspektiven für einen Weg hin zu einer solidarischen, gerechten, demokratischen, friedlichen und ökologischen Lebensweise aufgezeigt, die global und dauerhaft erreicht werden muss, um die planetaren Grenzen nicht weiter zu überschreiten. 

Ulrike Hermann: Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung

Sozusagen als Einstieg und Basic kann man das Buch von Ulrike Hermann nehmen. Es liest sich leicht und stellt die Theorien von Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes vor, die gerne von der heutigen Mainstream-Ökonomie als verstaubt abgetan und ignoriert oder falsch zitiert werden. Die Theorien werden im Rahmen der Biographie des jeweiligen Wirtschaftstheoretikers vorgestellt. Dadurch lässt sich nachvollziehen, in welchem Kontext die Theorien entwickelt wurden und für welche Missstände oder Probleme in der jeweiligen Zeit Smith, Marx und Keynes nach einer Antwort suchten – und aus dieser Sitzuation heraus ihre Theorien entwickelten. Dennoch betont Hermann, dass damit wichtige, sozusagen zeitlose Prinzipien der Volkswirtschaftslehre entwickelt wurden, die von der neoliberalen Ausrichtung der Wirtschaftsforschung ignoriert werden. Das hat in der Praxis – die sich nach den aktuellen Wirtschaftsgurus ausrichtet – zum Teil dramatische Auswirkungen, wie z.B. die durch die unregulierten Finanzmärkte ausgelöste Finanzkrise 2008 mit unzähligen Bankenpleiten und Vernichtung von Existenzen bis hin zur Finanzkrise Griechenlands.

Hermann appelliert, sich die Aussagen der klassischen Theoretiker wieder vorzunehmen und anzuwenden, z.B. zur Regulation der Finanzmärkte. Denn Kapitalismus sei ein komplexes gesellschaftliches Zusammenspiel – das man gestalten, aber nicht abschaffen kann.

Ulrike Hermann ist Wirtschaftskorrespondentin bei der taz und regelmäßig Gast in Radio und Fernsehen.